Astitit regina a dextris tuis in vestitu deaurato,

circumdata varietate. (Ps. 44, 10b)


Gedanken über die Schönheit und Reinheit

des katholischen Glaubens und der Liturgie

16 September 2018

Die Herbstquatember

"Der heutige Sonntag geht den Quatenberfasten im Herbste voraus, das bei den Alten Fasten des 7. Monats hieß. Die Väter kündigten diese Bußtage jedesmal dem Volke an und verbunden damit eine Ermahnung zu Buße und Almosengeben. Immer wieder betonen sie, daß christliches Fasten nicht aus Gesundheits- oder Sparsamkeitsgründen geübt werden dürfe, sondern daß sein Hauptzweck die Besserung des Lebens und die Betätigung der Nächstenliebe sein müsse, indem man den Armen zukommen läßt, was man dem Leibe entzieht. Das Quatemberfasten, ein durchaus römischer Brauch, hatte den Zweck die heidnischen Ernte- und Winzerfeste mit christlichem Geiste zu erfüllen. Man ließ daher die Festfeiern mit ihrem Prozessionen durch die Straßen der Stadt und auf dem Lande bestehen, und schob nur vor die hl. Messe, die ein hochfestliches Gepräge trug, das Fasten ein, um Gott den ersten Anteil der neuen Früchte, die Erstlinge der Herbstzeit, zu geben.

Leo der Große machte stets das Volk auf das Quatemberfasten an den vorausgehenden Sonntagen aufmerksam. Unter seinen Werken sind noch neun Reden über das Fasten der Tempora enthalten; sie handeln alle vom Fasten und Almosengeben, keine vom Sonntagsevangelium. Am Schlusse heißt es jedesmal: 'Am Mittwoch und Freitag wollen wir fasten, am Samstag aber feiern wir die Vigilien beim hl. Apostel Petrus.' (So auch in der heutigen 6. Lesung der Sonntagsmatutin, Anm.) Das Fasten am Samstag wurde nicht eigens erwähnt, denn es galt als eine Fortsetzung des Fastens am Freitag und endete erst bei Sonnenaufgang des Sonntags, nach der Vigilfeier in St. Peter."

Ildefons Schuster, Liber sacramentorum, V. Band, Regensburg 1930, S. 154

22 August 2018

Die Orientierungslosigkeit der heutigen Katholiken oder die Frage nach der katholischen Lebensform

Immer wieder wird in traditionstreuen Kreisen richtigerweise auf die Verbindung von Liturgie und Dogma hingewiesen. Als Gewährsmann steht hier der gallische Mönch Prosper von Aquitanien, der zwischen 435 und 442 den Grundsatz überlieferte: „… ut legem credendi lex statuat supplicandi — damit die Regel des Betens die Regel des Glaubens bestimme. Wenn Prosper von Aquitanien auch lediglich die öffentlichen Fürbitten der Kirche (lex supplicandi) erwähnt, besitzt die ganze Liturgie, nicht nur einzelner Texte, in ihrer Grundintention die Beweiskraft für die Frage nach dem authentischen Glaubensinhalt (Fiedrowicz, Michael, Theologie der Kirchenväter. Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflexion, Freiburg 2007, 248). Aus dem Glaubensvollzug der Liturgie ist also der Glaubensinhalt zu erschließen. Wenn die Liturgie, das offizielle Beten der Kirche, den Glauben zum Ausdruck bringt, ist sie jedoch nicht Norm des Glaubens, sondern Bezeugung des Glaubens und Quelle theologischer Erkenntnis (Ebd., 251). Denn das rechte Gebet setzt schließlich den Glauben der Kirche voraus und bringt ihn zum Ausdruck. Dieser letzte Gedanke hat dann Papst Pius XII. dazu geführt, in seiner Liturgieenzyklika Mediator Dei aus dem Jahr 1947 den Satz des Prosper von Aquitanien auch umzudrehen: Durch das Gesetz des Glaubens soll das Gesetz des Betens bestimmt werden. Während sowohl Prosper von Aquitanien im 5. Jahrhundert als auch der heiligmäßige Papst in der Mitte des 20. Jahrhunderts hatten selbstverständlich den überlieferten apostolischen Glauben in der Tradition der Kirche vor Augen, der in einer Wechselbeziehung zum liturgischen Beten steht. Dieses symbiotische Verhältnis von Liturgie und Dogma kann aber auch mißbraucht bzw. pervertiert werden. Wir sehen es deutlich spätestens seit den letzten 50 Jahren. Wo das Glaubensgut verundeutlicht oder abgeschwächt wird, hat es auch Auswirkungen auf die Liturgie. Die Liturgie wird verändert, nicht in einem organischen Sinn, sondern als Überlieferungsabbruch, Neuerung (so wie Paul VI. von der „Neuen Messe“ sprach). Eine „neue“ Liturgie kann umgekehrt nicht wirkungslos auf den Glauben sein — wir sehen den Glaubensabfall der Katholiken spätestens seit dem II. Vaticanum. Eine „neue Messe“ bringt auch einen „neuen Glauben“ hervor, samt „neuem Katechismus“ und „neuem Kirchenrecht“.

Was ist also in der heutigen Zeit der Orientierungslosigkeit zu tun?
Am überlieferten Glauben und an der überlieferten Liturgie ist festzuhalten. Reicht das? Nein. Der Lehrsatz von lex orandi und lex credendi ist hinlänglich bekannt. Man müßte ihn allerdings erweitern. Denn zur lex credendi, zum rechte Glauben, gehört als Konsequenz eine lex vivendi vel agendi, ein Gesetz des (richtigen) Lebens oder Handelns. Ich kann nicht den überlieferten Glauben haben und zugleich eine unangemessene Lebensweise. Deshalb gehört seit dem Tridentinischen Konzil die Moraltheologie zur systematischen Theologie mit dem Hauptfach Dogmatik. Diese beinhaltet die Glaubenslehre und Dogmen, jene die aus der Offenbarung stammenden Normen und Anweisungen für das sittliche Handeln. Dieses Handeln schlägt sich dann auch wieder in entfernteren liturgischen Diziplinargesetzen nieder, wie bspw. den Regeln für einen würdigen Kommunionempfang (frei von schwerer Sünde, Nüchternheitsgebot) oder den verbindlichen Festtagen mit ihrer Meßverpflichtung für die Gläubigen. So schließt sich der Kreis über Liturgie-Glaubensgut-moralisches Leben wieder hin zur Liturgie. Der traditionsverbundene Katholik wird also nicht nur die „alte Messe“ aufgrund ihrer Schönheit, Klarheit, Wahrheit und Reinheit besuchen, er erkennt in ihr und durch sie zugleich den überlieferten Glauben, der bis auf die Apostel zurückgeht. Dann aber sieht er auch die Aufforderung, diesem Glauben, ausgedrückt im „gefeierten Dogma“ der heiligen Liturgie, durch sein eigenes Leben zu entsprechen, nach den moralischen Normen der Kirche und durch ein angemessenes sittliches Leben entsprechend dem Evangelium und dem Aufruf, sich zu heiligen bzw. heiligen zu lassen. In all dem erkennt der Katholik die einzigartige katholische Lebensform.

Was ist abschließend zur Orientierungslosigkeit der heutigen Zeit zu sagen? Im Benedictus an jedem frühen Morgen im Offizium der Kirche ist vom „oriens ex alto“, dem Aufgang aus der Höhe, der uns heimgesucht hat, die Rede, Jesus Christus, der hinabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat und den wir als oriens, als aufgehende Sonne am Ende aller Zeiten als Weltenrichter zurück erwarten. Nur Christus kann uns die einzig wahre Orientierung geben.

21 Juli 2018

Siebte Interationale Romwallfahrt Des Freundeskreises Summorum Pontificum

Siebte Interationale Romwallfahrt
Des Freundeskreises Summorum Pontificum
26. – 28. Oktober 2018

In 2018 findet die siebte Internationale Romwallfahrt des Freundeskreises von Summorum Pontificum wieder an ihrem gewohnten Datum, dem Wochenende des Christkönigsfestes, von Freitag, dem 26., bis Sonntag, dem 28. Oktober, statt.

14 Mai 2018

Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech

Heute feiert Pastor Dembski den Jahrestag seiner Priesterweihe.


Herzliche Segenswünsche! Wir danken Ihnen für Ihren intensiven Einsatz im Norden und für Ihre Wertschätzung und Pflege der überlieferten römisch-katholischen Liturgie. Vergelt's Gott!




Quellen: Amtsblatt, Erzbistum Hamburg; BNF/Bibliotheque nat'l, France

09 Mai 2018

Christi Himmelfahrt

Auf dem Ölberg in Jerusalem ist in der sog. Himmelsfahrtskapelle (die man nur gegen Bezahlung betreten kann) in einer Umfassung der Fußabdruck Christi auf dem Felsen kurz vor Seiner Himmelfahrt zu sehen.

Die heilsgeschichtlichen Stationen Jesu Christi sind nicht einfach nur literarisch oder mystisch zu begreifen, sondern auch ganz dinglich, real.

Die großen Feste von Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten sind keine Erinnerungen an einen Mythos, sie sind historisch greifbare Tatsachen, auch wenn die gefeierten Begebenheiten jeweils das Natürlich-Kreatürliche übersteigen (extra cursum naturae).

Im überlieferten römischen Ritus wird das Entschwinden Christi in den Himmel dadurch ausgedrückt, daß nach dem Evangeliumsvortrag die Osterkerze ausgelöscht wird.

Die schöne Illustration, wie alle Illustrationen in den alten Pustetmissalien vom Redemptoristenbruder Frater Max Schmalzl (1850-1930) gemalt, zeigt in der Mitte natürlich den Heiland bei seiner Himmelfahrt. Auch die Fußabdrücke sind gut zu erkennen.
Dann werden die beiden typologischen Vorbilder der Himmelfahrt Christi aus dem Alten Testament präsentiert:
Die Himmelfahrt des Henoch (Gen. 5, 24) auf der linken Seite: "...und (Henoch) war nicht mehr zu sehen, denn Gott nahm ihn hinweg" und die Erzählung von Elias (IV Reg. 2, 11) auf der rechten Seite: "... siehe, da erschien ein feuriger Wagen und feurige Pferde und trennte beide (Elias und Eliseus) voneinander; und Elias fuhr im Sturme in den Himmel".

06 Mai 2018

5. Sonntag nach Ostern - Ein kleiner Ausflug in die Lehre von der Gnade

Gott ist die Quelle alles Seins; darum bitten wir ihn um die Gaben der Gerechtigkeit und Heiligung, und um die Kraft, sie im Werke zu vollbringen. Wie gering sind demnach unsere Verdienste an dem wenigen Guten, das wir tun! Der erste Gedanke, die Hinneigung des freien Willens, die Ausführung des guten Vorsatzes, alles das kommt von Gott. Unser ist nur die Mitwirkung mit der Gnade, denn wir sind vernunftbegabte Geschöpfe, aber auch hier greift Gott helfend ein. Wie demütig müssen wir also Gott gegenüber sein, und wie wenig dürfen wir uns vertrauen! Die Demut lenkt all unsere Beziehungen zu Gott.
Ildefons Schuster, Liber Sacramentorum, IV. Band, Regensburg 1928, S. 117.

Das Tagesgebet, die Oration der heutigen Messe lenkt unseren Blick auf den Zusammenhang von zuvorkommender und nachfolgender Gnade.

Die zuvorkommende Gnade ist diejenige Gnade Gottes, "insofern sie ohne unsere freie Mitwirkung Erleuchtungen des Verstandes und Anmutungen des Willens zum Guten in uns hervorruft, um zu freien übernatürlichen Akten anzuregen" (J. B. Heinrich, Lehrbuch der katholischen Dogmatik, hrsg. v. Ph. Huppert, Münster 1900, Nr. 1448).
Diese Gnade geht also unserem freien Wollen voraus, will uns jedoch zu freien Willensakten anregen oder befähigen; sie ruft uns und will uns zum guten Wollen vorbereiten.
Diese göttliche Anregung ist also noch nicht unser freies Wollen selbst, sondern es sind unwillkürliche Akte unserer Seele, die zum freien Wollen anregen, so bspw. Erleuchtungen unseres Verstandes, Bewegungen des Gefühls oder Anmutungen des Willens (Heinrich, 1449).
Die zuvorkommende Gnade finden wir auch in der Hl. Schrift, z. B. Apoc. 3, 20 "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und mir die Tür aufmacht, so werde ich zu ihm eingehen und mit ihm Mahl halten und er mit mir.", so auch das Konzil von Trient im Dekret über die Rechtfertigung (DH 1525).

Die nachfolgende Gnade Gottes unterstützt den freien Willensakt des Menschen, wirkt mit ihm mit, begleitet ihn, "nicht als ob sie (i. e. die Gnade, Anm.) zu dem aus sich selbst wollenden Willen erst hinzukäme, sondern vielmehr so, daß der Wille mit ihr wirkt und sie die erste und übernatürliche, der Wille aber die zweite und natürliche Ursache des fraglichen übernatürlichen freien Aktes ist" (Heinrich, 1450).
Gott und Mensch sind hier also gleichzeitig tätig. Gott wirkt in uns mit (bzw. der Mensch wirkt mit Gott mit), so daß der Akt zum Guten ein gemeinsames Werk der Gnade Gottes und des freien Willens des Menschen ist (s. auch hier das Konzil von Trient, DH 1525).

Beide Arten der Gnade kann man zwar unterscheiden, man sollte sie jedoch nicht trennen.
"Dieselbe Gnade ist, indem sie das Vermögen zu übernatürlich guten Akten und die Anregung dazu gibt, zuerst zuvorkommend und sodann, indem sie das Wollen und Vollbringen selbst verleiht, helfend" (nach Heinrich, 1451). Diese helfende Gnade ist auch zugleich die begleitende Gnade, "insofern sie einen guten Akt oder das ganze Werk unseres Heils bis zur Vollendung fortführt (Heinrich 1452).

Sehr schön wird der Zusammenhang von zuvorkommender und begleitender Gnade Gottes in dem bekannten Gebet Actiones nostras ausgedrückt:



Genau in diese Richtung zielt auch unsere heutige Oration der Sonntagsmesse.