Astitit regina a dextris tuis in vestitu deaurato,

circumdata varietate. (Ps. 44, 10b)


Gedanken über die Schönheit und Reinheit

des katholischen Glaubens und der Liturgie

17 Dezember 2019

Aktuelle Fragen zur Liturgik und Rubrizistik --
Darf ich heute zu Messe und Offizium die Farbe Rosa benutzen?

Am heutigen Dienstag sieht der liturgische Kalender die Wiederholung der letzten Sonntagsmesse Gaudete vor (ohne Alleluia+Vers und ohne Credo).
Am Sonntag waren rosa Gewänder erlaubt. Gilt das auch für die Wiederholung der Sonntagsmesse in dieser Woche (am Dienstag und Donnerstag -- Montag war das Fest des hl. Eusebius, Mittwoch und Freitag sind Quatembertage, Samstag das Fest des hl. Thomas)?
Unser Blick geht zunächst in das Meßbuch und in die meistens dort abgedruckten Generalrubriken der Messe.
Wir nehmen ein älteres Missale und finden nichts. Unter Kap. XVIII werden die liturgischen Farben aufgezählt, jedoch ohne Erwähnung von Rosa. Gaudete (und Laetare) wird in Kap. XIX erwähnt, da geht es um den Einsatz der geschürzten Gewänder (planetae plicatae), von denen eben an Gaudete Abstand genommen wird (und wo die Gaudetemesse in der Woche wiederholt wird!).
Ansonsten keine Erklärung der rosa Farbe.
Wir schauen weiter und nehmen uns das Caeremoniale für die Bischöfe vor. Hier werden wir fündig: Caer. Ep. II, Kap. XIII,11 erlaubt die Verwendung von Rosa am 3. Adventssonntag. Und da die überlieferte Liturgie streng von oben nach unten, angefangen beim Pontifikalamt bis zur gelesenen Messe, denkt, wird diese Norm auf alle anderen "Meßarten" angewendet. Zuletzt hat dies auf Nachfrage die Ritenkongregation 1901 geklärt (SRC Nr. 4048,III).
Und wie sieht es dann an den Werktagsmessen der 3. Adventswoche aus, die den 3. Adventssonntag wiederholen?
Hier haben wir keine klaren gesetzlichen Vorgaben gefunden (Wer mehr weiß, bitte melden!). Allerdings erwähnt das Rubrikenbuch von Hartmann (Repertorium rituum) die Farbe Rosa für den Montag, Dienstag und Donnerstag jener Woche, dazu den möglichen Einsatz der Orgel und die Dalmatik und Tunicella statt planetae plicatae.
Diese Aussage ist durchaus logisch.
Zum einen trägt die wiederholte Sonntagsliturgie an den Werktagen stets die Farbe des Sonntags (es sei denn, der vorhergehende Sonntag wurde durch ein Fest ohne Oktav verdrängt). Zum anderen erwähnen die Generalrubriken zur Messe den Wegfall der geschürzten Gewänder gerade auch an den Werktagen, wo Gaudete wiederholt wird.
Somit kann nach den älteren Vorschriften auch an den Montagen, Dienstagen und Donnerstagen, an denen die Gaudetemesse wiederholt wird, Rosa getragen werden.
Das galt allerdings nur bis 1960.
Von da an hat sich der liturgiepositivistisch-normativrubrizistische Weg (wie so oft!) vereinfacht.
In den neugefaßten Generalrubriken von 1960 findet sich eine klare Aussage: Die Farbe Rosa wird erstmals erwähnt und ist ausschließlich an den Sonntagen Gaudete und Laetare in Messe und Offizium erlaubt, nicht jedoch an den anderen Tagen (Nr. 131).
Auch diese Neuregelung macht Sinn. Rosa versinnbildlicht ein aufgehelltes Violett und steht an Gaudete und Laetare für ungefähr den halben Weg hin zum Fest (Weihnachten, Ostern). Rosa eröffnet also den Blick auf die weihnachtliche/österliche Freude und soll für die noch vor uns liegende Vorbereitungszeit Kraft und Freude schenken. Diese Farbe ist jedoch eigentlich nur sinnvoll, wenn sie wirklich an der Hälfte des Weges steht (denn danach wird ja wieder in Violett umgeschwenkt). Bei den liturgischen Tagen der dann folgenden Woche mit der Wiederholung des Sonntags ist diese Markierung der Hälfte so nicht mehr gegeben.
Übrigens, die Verwendung von Rosa war und ist nicht vorgeschrieben. Man kann stattdessen auch immer Violett nehmen.

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